phänomen lampenfieber

Warum fühlen sich Musiker fast generell bei einem Probespiel unwohl? Dahinter steckt das Lampenfieber, das sich in der Situation bemerkbar macht. Der Begriff des Lampenfiebers kommt aus der Theaterwelt. Die Strahlung der Scheinwerfer auf die Bühne erhitzt den Körper des Schauspielers oder Musikers, dessen Körpertemperatur steigt also tatsächlich an. Im Volksmund dagegen wird Lampenfieber als das beklemmende Gefühl bezeichnet, das die Menschen vor einem Auftritt haben. Lampenfieber ist in dem Fall gleichzusetzen mit Auftrittsangst. Was steckt dahinter? Die Auftrittsangst ist eine körperliche Reaktion auf eine Stresssituation.

„Wir sind die Nachfahren derer, die weggerannt sind, als der Säbelzahntiger kam“, so Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer. Diese Stressüberlebensstrategien, Fight-Flight-or Freeze genannt, haben sich seit Millionen von Jahren kaum verändert. Das menschliche Gehirn ist noch heute auf Kampf oder Flucht programmiert.

Das Gehirn, genauer das limbische System, wittert Gefahr und aktiviert die Amygdala (Mandelkern), die allgemein eine wichtige Rolle in der Bildung von Emotionen spielt, insbesondere von Furcht und Angst. Zudem ist sie an der Abspeicherung von emotional besetzten Erinnerungen beteiligt.

Der präfontale Cortex (PFC), der für die objektive Bewertung und Handlungssteuerung verantwortlich ist, setzt hierbei aus oder reagiert sehr viel langsamer. (Beim „ersten Schreck“ war die Amygdala sofort aktiv, danach schaltet sich der PFC ein und relativiert die Situation).

Auch der Hippocampus wird aktiviert und zusammen mit der Amygdala wirkt er nun auf den Hypothalamus, einer Region des Zwischenhirns. Dort beginnt die Ausschüttung des Corticotropin-Releasing-Hormons (CRH) und Vasopressins. Durch diese Alarmstoffe wird in der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) das Hormon Adrenocorticotropin, kurz ACTH, freigesetzt. Über den Blutkreislauf gelangt es in die Nebennierenrinde und stimuliert dort die Produktion des Stresshormons Cortisol. Im Nebennierenmark werden die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin gebildet.

 

Die Symptome des Lampenfiebers lassen sich in Negative und Positive einordnen.

Die positiven Symptome sind:

  • wirkt wie ein Aufputschmittel
  • steigert das Leistungsvermögen
  • gibt mehr Kraft
  • macht hellwach
  • stärkt die Konzentration
  • setzt Energie frei
  • schafft die nötige Spannung in Körper und Geist

Die negativen Symptome sind:

  • Herzrasen
  • Errötung im Gesicht
  • Schweissausbrüche
  • Verdauungsstörung
  • plötzlicher Harndrang
  • zittrige Hände
  • weiche Knie
  • Stotterstimme
  • flache Atmung
  • Kloss im Hals
  • feuchte oder kalte Hände
  • Schlaflosigkeit
  • Blackout

Das Lampenfieber ist also durchaus eine gute Sache, solange die Symptome positiv sind.

Wir brauchen als Musiker das Adrenalin um konzentriert und wach zu sein und mit Energie und der notwendigen Spannung zu musizieren.
Bei negativen Symptomen ist es wichtig, den Umgang mit dem Lampenfieber zu erlernen und es positiv zu nutzen.

Im Mentaltraining geht es also konkret darum, Methoden einzusetzen, welche die negativen Symptome abschwächen und die positiven Symptome stärken. Oftmals ist die Akzeptanz des Lampenfiebers schon ein erster Schritt, um leichter damit umzugehen und es als Kraftquelle zu nutzen.